Cartesischer Taucher

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Flaschenteufel, Flaschentaucher oder Cartesische TaucherEin Cartesischer Taucher, auch Flaschenteufel oder Flaschentaucher genannt, besteht aus einem kleinen, nach unten offenen Hohlkörper, der häufig die Form eines Teufelchens hat. Wir haben ihn aber auch schon als Pinguin, Ballerina, Seepferdchen und Gespenst gesehen.

Steckt man einen solchen Flaschentaucher in eine mit Wasser gefüllte Kunststoff-Flasche, übt ein wenig Druck auf die Flasche aus und lässt dann wieder nach, so bewegt sich der Cartesische Taucher wie von Zauberhand auf und ab (Video: s. unten). Die Erklärung für dieses Verhalten ist dabei ganz einfach: Gase sind kompressibel, das heißt, sie verändern ihre Ausdehnung, wenn man von allen Seiten Druck ausübt. Flüssigkeiten tun dies jedoch so gut wie gar nicht. Sie widersetzen sich der Volumenänderung.

Wie funktioniert ein Flaschentaucher?

Das bedeutet: Drückt man die Flasche mit dem Flaschentaucher zusammen, so hat dies keine Auswirkung auf das Wasser, wohl aber auf die Luft im Glaskörper. Die Luftblase im Innern des Tauchers wird kleiner, Wasser strömt nach, die Dichte des Flaschentauchers nimmt zu, er wird „schwerer“ und taucht ab. Wichtig ist dabei jedoch, dass man den Taucher richtig justiert. Bleibt der Flaschentaucher auf dem Grund der Flasche, hat er zu viel Wasser geschluckt. Dieses muss man dann wieder herausschütteln.

Wie verwendet man einen Flaschentaucher?

Flaschenteufel, Flaschentaucher oder Cartesische TaucherZur Vorbereitung legt man den Flaschentaucher in eine Schale mit Wasser. Zunächst wird er dort ein wenig auf dem Rücken herumschwimmen und sich durch eine kleine Öffnung am Schwanz langsam mit Wasser füllen. Am besten verwendet man destilliertes Wasser, damit im Flaschentaucher nach dem Trocknen keine Rückstände verbleiben. Befindet sich genug Wasser in seinem Bauch, so richtet sich die Figur auf. Jetzt kann es losgehen. Man füllt eine Plastikflasche bis zum Rand mit Wasser, gibt den Flaschentaucher hinein, verschließt die Flasche und drückt von außen leicht zu. Der Taucher bewegt sich auf und ab. (Die Beschreibung bezieht sich auf den hier gezeigten Flaschenteufel.)

Woher kommt der Name „Cartesischer Taucher“?

Obwohl die Vermutung naheliegt, wurde der Cartesische Taucher wohl nicht von dem französischen Philosophen und Naturforscher René Descartes (1596-1650) erfunden. Wenigstens gibt es darauf in den Werken Descartes‘ sowie seiner Zeitgenossen keinen uns bekannten Hinweis.

Wahrscheinlich wurde der Cartesische Taucher von Rafaello Magiotti aus Montevarchi 1648 in Rom entwickelt, als er ein ihm von Ferdinand II. von Toscana erhaltenes Thermometer mit Glaskugeln untersuchte. In einer kurzen Abhandlung über das Prinzip des Flaschentauchers schreibt Rafaello Magiotti jedenfalls von „seiner Erfindung“.

Wie sich der Name „Cartesischer“ oder „Cartesianischer Taucher“ eingebürgert hat, daüber gibt es keine Hinweis. Möglicherweise hat dies damit zu tun, dass René Descartes diese Erfindung irrtümlich zugeschrieben wurde, vielleicht liegt der Grund aber auch in Descartes‘ herausragender Bedeutung für die Philosophie.

Er war einer der ersten Vertreter des Rationalismus, demzufolge der Verstand allein dasjenige Mittel sein sollte, um Wissen zu erwerben und neue Erkenntnisse zu begründen. Die Religion war nach Descartes somit als Erkenntnisquelle aus dem Rennen. Dies – so wird vermutet – sei auch der Grund dafür, dass unser Taucher häufig in Gestalt eines Teufelchens zu finden ist.

Man könnte sagen, dass der Cartesische Taucher durch seine Geschichte nicht nur ein physikalisches Demonstrationsobjekt war und heute noch ist, sondern auch ein philosophisches, denn der Cartesische Taucher lehrt uns, unseren Verstand zu gebrauchen.

Der Cartesische Taucher ist auch unter folgenden Namen bekannt: Kartesischer Taucher, kartesianischer Tanzteufel, Drehteufel, Flaschentaucher, Flaschenteufel, Wasserteufel

Quellen: Annalen der Physik, Band 4, Targioni-Tozzetti, Giovanni , 1780