Consul, der rechnende Affe

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Rechnender Affe: Blechspielzeug Educated MonkeySeit 1916 hilft das mechanische Äffchen Consul Kindern in seinem roten Anzug und mit rosa Fliege beim Rechnen. Dabei kann er multiplizieren, quadrieren, dividieren, addieren und subtrahieren jeweils im Zahlenraum bis 12.

Das kleine Einmaleins wird zum Vergnügen

Rechnender Affe: Blechspielzeug Educated Monkey

Auf den Markt kam der Rechenaffe unter der Bezeichnung „Consul – the educated Monkey“, zu Deutsch „Konsul, der gelehrte Affe“ und wurde mit den Worten „He Makes Arithmetic Fun“ beworben („Er macht Arithmetik zum Vergnügen“).

Die Arithmetik ist ein Teilgebiet der Mathematik, in dem vor allem mit natürlichen Zahlen gerechnet wird.

Aufgrund seiner Machart stellt Consul sowohl ein Rechengerät, eine Lernhilfe als auch ein klassisches Blechspielzeug in Form eines Affen dar. Die dank Schermechanik bewegliche Figur ist dabei auf eine 14 mal 15 Zentimeter große Metallplatte montiert. Auf der Rückseite besitzt er einen aufklappbaren Bügel zum Aufstellen und wenn man ihn auf der Suche nach einem Rechenergebnis bewegt, macht er dabei allerlei kuriose Verrenkungen.

Wer Consul selbst in der Hand halten und ausprobieren oder verschenken möchte, kann „Consul, the educated monkey“ hier kaufen.

Der Rechenaffe in Aktion

Das Vorgehen für die verschiedenen Rechenoperationen ist wie folgt:

Multiplikation
Schiebt man die Füße des Affen auf zwei Zahlen in der Reihe von bis 12, wie zum Beispiel die Zahl 2 und die Zahl 5, dann bewegt sich der Oberkörper des Affen gleichzeitig auf die Position, bei der seine Hände das Ergebnis umschließen. In diesem Fall ist das die 10.

Division
Für die Division schiebt man einen Fuß auf den Divisor/Teiler, die Hände auf den Dividenden. Der andere Fuß zeigt den Quotienten an.

Addition und Subtraktion
Addtionstabelle zu Consul - the educated monkeyAuch addieren kann man mit dem Affen, wenn man sich eine entsprechende Tabelle anfertigt und auflegt. Das Vorgehen ist wie bei Multiplikation und Division. Grafik s. rechts.

So rechnet dieser Kalkulator tatsächlich mit den Zahlen 1 bis 12 und teilt bis zu einem Dividenden von 144. Eine Simulation des Consuls ist bei Geogebra auf Spanisch zu finden und auf Englisch.

Lernen durch praktische Erfahrung

Einfache mechanische Rechenmaschinen gab es auch schon vor Consul. Keine von ihnen erlangte jedoch eine ähnliche Berühmtheit wie „Consul, the educated monkey“, der bis heute ein beliebtes Sammlerobjekt darstellt. Das lag sicherlich an der Affenfigur, denn dies war ein absolutes Novum.

Der Rechenaffe Consul sollte Kinder jedoch nicht nur bei einfachen mathematischen Berechnungen unterstützen, sondern diese auch für Mathematik begeistern.

Es war damit ein frühes Wissenschaftsspielzeug und zeugt von einem Trend, der bereits zu Anfang des letzten Jahrhunderts selbst auf dem Gebiet der Mathematik zu beobachten war: Es ging um Wissensvermittlung auf unterhaltsame und spielerische Art und Weise und das nicht nur in der Schule, sondern auch für das eigene Zuhause. Entsprechend wurde Consul mit eben den Worten „He Makes Arithmetic Fun“ beworben.

Zugleich wird Wissen anhand eines Objektes vermittelt, das sich anfassen ließ, und bei dem das Lernen durch praktische Erfahrung erfolgt. Dies stand im Gegensatz zur Wissensvermittlung durch Auswendiglernen und Wiedergeben, auf Neudeutsch bulimisches Lernen genannt.

Mathelehrer erfindet den Rechenaffen

Der Erfinder William Henry Robertson aus Belmont, Ohio ließ sich Consul in den USA für die Educational Novelty Company 1915 zuerst als Spielzeug und dann erst als Rechengerät patentieren. Er war zuvor Mathematiklehrer und hatte später für National Cash Register Company gearbeitet. Wie Robertson in der Patentschrift erklärte, sollte seine clever konzipierte Rechenmaschine eine schnelle und einfache Methode bieten, um Rechenergebnisse in Tabellen zu finden. Das lange und fehlerträchtige Suchen entfiel, den das Ergebnis einer Rechenoperation wird direkt angezeigt. Der Consul wird seit seiner Erfindung von immer wieder neu aufgelegt und auch heute noch als Replik hergestellt. Dazu gab und gibt es eine Reihe von ähnlichen Produkten auf dem Markt.

Schon 1889 verkaufte der Verlag Friedrich Soennecken aus Bonn den „kleinen Rechner“, eine „Rechenvorrichtung zum Vervielfältigen und Theilen“, der ebenfalls mittels einer Schermechanik arbeitete.

Quellen:

Patent Nr. US1286112A zu „Consul – the educated monkey“ als Rechenmaschine (vom 26.11.1918)

sowie Patent Nr. US1188490 zu „Consul – the educated monkey“ als Spiezeug (27.06.1916)

Wylie, C. (2019). What ‘Consul, the Educated Monkey’ Can Teach Us about Early-Twentieth-Century Mathematics, Learning, and Vaudeville. In J. Nall, L. Taub, & F. Willmoth (Eds.), The Whipple Museum of the History of Science: Objects and Investigations, to Celebrate the 75th Anniversary of R. S. Whipple’s Gift to the University of Cambridge (pp. 237-256). Cambridge: Cambridge University Press. doi:10.1017/9781108633628.012

Große Sammlung an Rechenaffen und anderen Rechenhilfen für Kinder auf der 
Seite „Rechenaffen – Educated Monkeys“. In: Rechnen ohne Strom – Historische Rechenmaschinen.
(Abgerufen: 18. August 2022, 07:39 UTC)

http://www.rechnerlexikon.de/artikel/Eureka
https://www.rechnen-ohne-strom.de/rechner-galerie/tabellen-rechenhilfen/rechenaffen/